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Was genau ist eigentlich Glück?

Es ist Freitag abend und ich bin in Berlin. Assoziationen zu wilden Partynächten an der Revaler Straße sind nicht weit her geholt. Es ist gar nicht lange her, da wurde ich Montag Morgen im Büro mit den Worten begrüßt, ob ich wieder an der Warschauer Brücke war. – Natürlich war ich. Ich habe dort quasi gewohnt. Und ich war glücklich dort mit meinen Freunden, den Wortakrobaten und Beatmixern. Und noch immer ist es so, dass manche Lieder von ihnen mir einfach noch immer ein wohliges Gefühl vermitteln. Sie geben ein Gefühl von Zuhause und eine Erinnerung an eine schöne Zeit.
Ein Schwall an Sympathie überkommt mich, wenn ich an sie denke, an die Abende im Lauschi und der Kampf jeden Dienstag, noch die letzte Bahn zu bekommen. Eine liebe Freundin hat mir neulich gesagt, sie war ohne mich gar nicht mehr da. Es sei einfach nicht das Selbe ohne mich. Und ich dachte dabei, sowas nettes hat mir schon lange keiner mehr gesagt. (Wenn du das liest, weißt du, dass du es bist.)

Von Glück und der zweifelhaften Kunst, es immer zu verdrängen.

Es ist Freitag abend und ich bin in Berlin. Es ist ruhig hier am Stadtrand. Leise tickt auf dem Fensterbrett eine Uhr, ein paar wenige Autos fahren vorbei und der Bus brummt an der Haltestelle friedlich vor sich hin. Meine Katze liegt neben mir auf dem Kissen und kuschelt sich in den Seidenbezug. Schwarz auf Schwarz, ich möchte ihre Ruhe nicht stören. Es fühlt sich an, als würde man das eigene Kind so selten sehen (dabei habe ich gar kein Kind und weiß gar nicht, wovon ich hier spreche).
Mir steigt der Duft von Kimchi in die Nase. Kimchi ist etwas, das ich mit Zuhause verbinde. Und mit Korea. Und Korea verbinde ich mit Zuhause, obwohl ich noch nie dort war. Der Geruch von Kimchi, Kopfsalat und Klebreis (ja, auch Kopfsalat und Klebreis haben einen sehr intensiven Geruch… Wasser hat ja auch einen Geschmack!) verbinden sich in meinem Gehirn zu etwas wunderbarem. Nicht nur, dass ich jeden Gedanken an Diät und die Bikinifigur plötzlich komplett vergesse… Dieser Geruch riecht für mich nach Zuhause. Er ist tief verankert und hat einen wehmütigen Beiklang. Es wird wohl so schnell nichts geben, dass das wohlige Gefühl ersetzen kann, das ich bekomme, wenn ich Kimchi und Kopfsalat rieche. Sogar der Geruch von Kopfsalat allein lässt mich an Kimchi denken. Der Geruch macht mich glücklich. Und das, obwohl weder Karamell noch Kaffee im Spiel sind.

Ja, Gemüse und Chili können Glücksgefühle auslösen.

Gehe ich die Treppe ins Erdgeschoss hinunter, intensiviert sich der Geruch nach Kimchi und mein feines Näschen führt mich in die Küche. Meine Mama steht da und sortiert Rezeptkarten, fragt obligatorisch, ob ich Hunger habe. Natürlich habe ich nicht, aber dieser Geruch… und sie fängt an Reis zu kochen. – Das ist Glück. Wenn die Mama der 28 jährigen Tochter Reis kocht, damit sie ein bisschen in dem schönen „Zuhause-Gefühl“ schwelgen kann. Nachts um halb Zwölf.

Zum Glück gezwungen

Natürlich, manchmal habe ich mich tierisch gequält nach der Arbeit abends noch aus dem Haus zu gehen und mich mit den anderen im Lauschi zu treffen, ihnen zuzuhören und den Abend verklingen zu lassen. Eine soziale Zusammengehörigkeit, tiefe Sympathie für jeden von ihnen und auch ein wenig Stolz, dass man Menschen kennt, die etwas wirklich gut können, das man selbst überhaupt nicht kann. – Im Nachhinein merke ich, dass diese Abende gefüllt waren von Glück. Sie waren eine gute Zeit und ich muss lächeln, wenn ich an sie denke.

Glück trotz schlechter Gedanken

Drei Menschen, 24 Jahre jung, Samstag am frühen Abend, Berlin, Warschauer Brücke. Mein erstes Kirsch-Porter. Eine Erinnerung voller Glück. Eine geistige Verbindung, als hätte man nach 24 Jahren den verlorenen Zwilling wieder gefunden. Die gleichen Gedanken, der gleiche Humor, tiefe Sympathie und das starke Gefühl, den anderen seit Ewigkeiten zu kennen. Ein halbes Jahr nach dieser einen Erinnerung zerbricht die Freundschaft wegen eines einzigen Abends. Man mag die Ereignisse auf viel Bier und Dinge schieben, die derzeit in den USA legalisiert werden, aber die Freundschaft ist dahin. Ein ganzer Freundeskreis bricht daraufhin auseinander. Mindestens zwei Jahre lang ist jeder Gedanke daran verbunden mit Schmerz, Demütigung und dem stechenden Gefühl tiefen Vertrauensbruches. Dennoch kann (mit einigem zeitlichen Abstand) das Glücksgefühl der früheren Erinnerung das fahle Gefühl der späteren Ereignisse überstrahlen. Die Freundschaft ist futsch, der Kontakt abgebrochen, das tiefe Gefühl der Vertrautheit allerdings noch immer irgendwo vorhanden. Und da ist eben noch dieses Glück, das sich wie ein goldener Schleier über diese ganze, seltsame Freundschaft legt.

Erinnere dich

Manchmal habe über Wochen hinweg so viel zu tun, dass ich die Glücksmomente im Leben beinahe vergesse. Ich muss erst durch ein Treffen mit lieben Freunden daran erinnert werden, dass es da diese eine schöne Komponente im Leben gibt. Auch wenn ich manche Menschen erst ein oder zwei Mal getroffen habe, möchte ich manche von ihnen direkt als Freund bezeichnen. Es gibt sie eben, solche Menschen. Und sie sind Freunde, bis sie einem wehtun und Vertrauen brechen.

Es wäre so schön, das Hier und Jetzt klarer zu sehen. Dann würde ich vielleicht auch erkennen, dass ich mich gerade in einem Abschnitt befinde, den ich später als glückliche Zeit beschreiben würde. Doch im Hier und Jetzt verdrängen die kleinen Alltagssorgen das Glück aus dem Fokus. – Einmal durchatmen, ein wenig entspannen und sich fragen: „Belastet mich gerade etwas dauerhaft?“ – Wenn nicht, dann ist dieser Moment potenziell einer, den ich später mal als Glücksmoment in Erinnerung haben werde.

Wie ist es bei dir? Bist du glücklich?

Was denkst du?

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