Wenn die Architektur doch nicht dein Traumjob ist...

Architekt, und nun? Doch kein Traumjob? 8 Möglichkeiten, deinen Arbeitsalltag zu pimpen.

Du bist praktizierender Architekt oder merkst gerade bei deinem Praktikum, dass das alles doch nichts für dich ist? Du bist einfach totunglücklich oder merkst, dass da irgendwas nicht ganz stimmt? Heute werde ich dir Möglichkeiten zeigen, wie du deine momentane Situation verbessern kannst oder neue Wege findest, die besser zu dir passen können.

Keine Angst, du musst nicht alles hinschmeißen und dich ins nächste Studium werfen. Wenn du nicht schon weißt, dass du unbedingt Luft- und Raumfahrttechnik (nur so als Beispiel) oder Lehramt studieren willst, dann bist du mit Architektur als Fundament für deine Ziele gar nicht so schlecht aufgestellt, wie du jetzt vielleicht denken magst.

Was genau ist es, was dir an der Architektur nicht mehr gefällt?

Ist es ein cholerischer Chef? – Es gibt durchaus auch sehr nette und familiäre Büros auf dieser Welt. Sogar im miesepetrigen Deutschland. Du kannst versuchen zu wechseln. Ich kann dir sagen, ich habe in diesem Bereich die besten Erfahrungen mit Büros um die 15 Personen gemacht.

Sind es die Überstunden? – Denen kannst du wohl leider kaum entgehen. Leider gehört es inzwischen zum guten Ton, wenn man mindestens 20 unbezahlte Überstunden pro Monat macht. Alles, was darüber hinaus geht, berechtigt dich zwar, deinen Unmut Kund zu tun, aber helfen wird dir das wohl nicht viel. Wenn du Pech hast, wird dir sogar mangelndes Engagement diagnostiziert und der Chef ist fortan schlecht auf dich zu sprechen. – Das wollen wir nicht. Wir wollen ja, dass es dir besser geht, mit dem, was du tust.

Also, was könnte bei Überstunden helfen? – Vielleicht kannst du ein paar HomeOffice-Stunden rausschlagen, um die Zeit, in der du digital Wände und Abwasserrohre verschiebst, wenigstens bei deiner Familie im Wohnzimmer verbringen kannst. Hast du kleine Kinder? Dann können die ja weiterhin auf dem Teppich spielen, während du arbeitest. Vielleicht bist du nicht ganz so produktiv, wenn eines der Kids mal krank ist oder Aufmerksamkeit haben will, aber du kannst mit Anwesenheit glänzen und dir teure Babysitter sparen. – Und deinen Kids ist es (wenn du es nicht übertreibst) doch egal, ob du nun fernsiehst oder am Notebook arbeitest, während sie mit ihrem Spielzeug die Welt retten…

Vielleicht sieht dein Chef auch nicht, dass dein Projekt zu wenig Mannkraft hat? Eventuell kannst du ihn überzeugen, dass ein weiterer (oder ein neuer) Kollege für das Projekt heran gezogen werden sollte. Das minimiert erstens Fehlerquellen (Vier-Augen-Prinzip) und schafft ein Team-Gefühl. Gemeinsam an etwas arbeiten motiviert viel mehr, als allein an einer Aufgabe zu verzweifeln.

Sind es die Projekte, die dich nicht erfüllen, dann kannst du versuchen, andere Projekte zu bekommen. Sprich mit deinen Teamkollegen oder deinem Vorgesetzten, ob er dir nicht andere Projekte geben kann. Du hast genug Kindergärten geplant und Wohnungen liegen dir doch viel mehr? Wenn dein Chef kein kompletter Idiot ist, wird er versuchen, dir die Projekte zu geben, für die deine Motivation brennt.
Hat dein Büro gar keine Projekte, die deinen Vorstellungen entsprechen, musst du vielleicht schauen, ob es sinnvoll ist, nicht das Büro zu wechseln. Wenn du in der Bewerbung deutlich machst, dass du mit Leib und Seele für ein Projekt stehen willst, das du bearbeitest, dann macht das deutlich genug, dass man dir nur das richtige geben muss, um eine ideale neue Arbeitskraft zu haben.

Sagt dir das alles nicht zu? Dann ist vielleicht die Selbstständigkeit doch etwas für dich. Bewirb dich mit deinen genauen Vorstellungen als freier Mitarbeiter in Büros und gib zu verstehen, dass du projektbezogen arbeiten möchtest. Mit etwas Glück bekommst du „dein Baby“, das du begleiten darfst und wenn dann die langweiligen 0815-Projekte kommen, suchst du wieder das Weite. Na klar, das bedeutet viele Bewerbungen, viele Absagen und viel Netzwerken, aber ist es das nicht wert?

Du hast den Eindruck, im Büro zu verdummen, nichts neues zu lernen und dein Gehirn bald aus den Ohren rieseln zu hören? – Das Gefühl kenne ich zu gut. Ich habe es in der Uni geliebt, zu lernen. Zwar war dröges Geschichtswissen nun wirklich gar nichts für mich, Statik und Recht konnte ich auch nicht in gute Noten verwandeln, aber immer auf dem Laufenden bleiben und ständig recherchieren hat mich einfach glücklich gemacht. Dann kam ich in den Job und nach 2 Monaten kam die Routine. Von jetzt auf gleich hatte ich mich an die Stamm-Handwerker, das Umfeld und den „Stil“ der Projekte gewöhnt. Ich habe mich gefühlt wie betäubt und angefangen, mir beim Pendeln pro Monat ca. 3-4 Fachbücher rein zu ziehen.
Erst waren es Fachbücher zum Thema, dann andere Themen, die mich interessiert haben. SEO, LandingPages, Solopreneurship, … lauter Themen, die mich während des Studiums nicht interessiert haben. Ganz besonders angefixt hat mich das Buch von Tim ChimoyHandbuch für ortsunabhängiges Arbeiten„. Irgendwo im ersten Kapitel erwähnt er kurz, dass er Architekt ist. Damit hatte er mich gefangen. Ich dachte selbst immer „ich bin doch nur Architekt, ich komme da nie raus“, aber Tim ist ein Beispiel, dass es nicht so ist. Man kann als Architekt eine Menge unkonventionelle Wege beschreiten.

Bücher sind nichts für dich? Wie wär’s mit Blogs? Es gibt unendlich viele Themen da draussen. Auf earthcity schreibt Tim über ortsunabhängiges Arbeiten, auf Stadtsatz schreibt Anett über Architektur, Reisen und UNESCO Welterbestätten. Auf RaumZeichner kannst du Artikel über Denkmalschutz und historische urbane Strukturen mit ihrer Relevanz für unsere Generation lesen und ArchiMag versteht sich als modernes online-Magazin rund ums Thema Architektur.

Die Vorstellung, dass Lesen generell nichts für dich ist, wage ich ja nun zu bezweifeln, wenn du es auf Architect Gone Astray bis hier hin geschafft hast. Dennoch ist mein ultimativer Tip für dich: Besuche Schulungen und Vorträge! Ein Tag oder auch nur ein halber, vielleicht auch nur eine Abendveranstaltung können deinen Arbeitsalltag so bereichern und deinen Geist auffrischen, als hättest du den Frühjahrsputz eingeleitet. Nach Seminartagen fühle ich mich wie neu geboren, motiviert und voller Tatendrang.

Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, aus deinem Leben ein Besseres zu machen. Es kostet etwas Überwindung und mit Sicherheit hast du erstmal gehörigen Respekt vor den ersten Schritten. Das Wichtigste überhaupt ist doch aber, die Motivation wieder zu finden. Wer motiviert ist, hat Spaß, der möchte sofort loslegen und der kommt wieder in den „Flow“.
Wenn du dir sicher bist, dass du die Architektur hinter dir lassen willst, aber noch nicht weißt, wo die Reise hingeht, dann bleib am Ball und schau regelmäßig hier vorbei. Ich werde bald darüber berichten, welche Erfahrungen ich außerhalb der Architektur gemacht habe und welche Qualifikationen ich anderen mit Erfolg anbieten konnte. Architekten haben ein sehr breites Skillset und müssen sich dessen nur bewusst werden, um so richtig durchstarten zu können.

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Entwirf dein perfektes Leben!

Julia

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Diplomierte Herzblut-Architektin, die auf Abwegen dennoch weiterhin ihrer Passion nachkommt. Hier wird von den vielfältigen Möglichkeiten berichtet, die man neben dem 0815-Architektenjob haben kann.

2 thoughts on “Architekt, und nun? Doch kein Traumjob? 8 Möglichkeiten, deinen Arbeitsalltag zu pimpen.

  1. Hallo Julia, ich gratuliere zu diesem schönen Blog! Für Architekten und Blogger ist die individuelle Kreativität wohl wichtiger als für Andere – erst recht wenn man Scanner, Renaissancemensch, Generalist ist, kurz: vielseitig. Daraus folgt fast paradox, dass das schicksalhafte Lebens-Lernpensum für beide das Netzwerken ist – richtig existenzrelevantes Netzwerken. Das fällt uns, die wir fast 20 Jahre die Schulbank drückten, verdammt schwer, schwerer als die Bewältigung des Stresses im Büro?

    • Hallo Rüdiger!
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Für den einen ist es Stress, netzwerken zu ‚müssen‘ für den anderen ist es Stress, nicht netzwerken zu dürfen und im goldenen Käfig für fremde Träume zu strampeln. Ich persönlich freunde mich immer mehr mit dem Netzwerken an, obwohl mir Akquise noch immer schwer fällt.
      LG
      Julia

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