Von Wertschätzung, Respekt und Inspiration

Wie Teilen zum Ausdruck von Wertschätzung wird und was das für Folgen auf uns hat

Sharing is caring. Schon immer und heute erst recht.

Von Wertschätzung, Respekt und Inspiration

Die Welt ist voller inspirierender Menschen. Seit neuestem. Jedenfalls für mich. Es ist ein seltsames Gefühl aus der Dunstglocke der Kommilitonen heraus zu kommen und zu entdecken, dass es da draussen tatsächlich so viele facettenreiche Menschen gibt, an denen man so oft vorbei gegangen ist ohne sie zu bemerken.

So viele Gedanken werden gedacht und sind sich teilweise so ähnlich. Obwohl man glaubt, man hätte diese verrückten Gedankengänge als einziger, ist dem nicht so. Dann stolpert man über Gedanken anderer, die man auch schon hatte, und muss innerlich zustimmend nicken.

Ich kann es mir sparen, meine wirren Gedanken schriftlich zu ordnen, wenn ein anderer das bereits sehr gut für mich getan hat. Im Internet gilt der plakative Slogen „sharing is caring“ und es wird von dir erwartet, dass du dem nachkommst. Ich komme dem sehr gerne nach. Nicht nur, wenn mich ein Beitrag bewegt, berührt oder mir aus der Seele spricht, sondern auch, wenn ich ihn interessant finde. Manchmal reicht es schon, wenn ich ihn nicht ganz abwegig finde, wenn ich weiß, dass ein Freund oder ein Bekannter ihn geschrieben hat. Dieser Mensch, der mir sympathisch ist und mir am Herzen liegt, hat sich immerhin Zeit genommen, etwas für mich, dich, uns in Worte zu fassen. Er hat Energie investiert und uns einen Teil seiner Lebenszeit geschenkt.

Ob man nun verstärkt den Kontakt zu Musikern pflegt, wie im Fall meiner neuen Freundin Carrie, oder zu Bloggern, wie in meinem Fall: Ein Stück Arbeit eines anderen mit dem eigenen Netzwerk zu teilen, ist eine der wertvollsten Arten von Wertschätzung und Bestätigung. Auch wenn man nicht 100%ig hinter dem Geteilten steht, so ehrt man damit die Arbeit, die darin steckt. Interesse am Tun des Gegenübers zu zeigen, war noch nie so einfach wie heutzutage. Meist reicht ein kurzer Klick auf „Teilen“ und ein paar liebe oder nachdenkliche Worte dazu.

Kümmert euch. Um eure Kontakte und Freunde und Bekannte.

Ein starkes Netzwerk baut auf gegenseitige Unterstützung. Umso trauriger ist es, wenn manch einer seine Bekannten stetig und intensiv unterstützt, ihre Inhalte teilt, oder ihre Campagnen finanziell voran bringt, dafür aber nicht einmal ein Stückchen Dank in Form eines geteilten Inhaltes zurück bekommt. Ein schnödes Danke im geheimen Chatfenster ist natürlich die erste kleine Form der Dankbarkeit, aber das mit dem Teilen von Inhalten ist wie das Händchenhalten auf der Straße. Bekennt man sich öffentlich zum Werk des Gegenübers? Es ist wie einseitige Liebe, wenn nur einer fleißig teilt. Es tut genauso weh, wenn man realisiert, dass all die Liebesmüh nicht erwidert wird.

Dabei geht es nicht um das Teilen des Teilens willen sondern um die Geste in der (digitalen?) Öffentlichkeit. Das Teilen ist eine einfache und doch starke Methode der Anerkennung und des Dankes. Leider verstehen viele ein starkes Netzwerk noch so, dass jemand die eigenen Inhalte streut. Dass als Dank dafür vielleicht auch eine Geste (Teilen) sehr freundlich wäre, vergessen viele Individuen. Und die Viel-Teiler macht das sehr traurig, denn sie helfen gern. Aber irgendwann sind die Batterien leer und sie fühlen sich irgendwo ausgenutzt. – Oder muss jeder ausdrücklich darum gebeten werden, einen Inhalt zu teilen?

Ich persönlich bitte niemanden darum, meine Inhalte zu teilen (außer hier obligatorisch ab und zu unter den Beiträgen ;) ). Ihr wisst schon was ich meine, die ganzen privaten Nachrichten „Teil das bitte, teil dies und teil jenes.“ Jede Woche auf’s Neue und der Vorwurfsvolle Ton zwischen den Zeilen, wenn man es mal vergessen hat… Versteh mich nicht falsch, ich teile wirklich gerne, aber irgendwann bin ich mal ins Grübeln gekommen. Wieviel muss man geben, bis das Karma-Konto so gefüllt ist, dass was zurück kommt? In dem Buch, das ich gerade lese (und das mir übrigens von Carrie empfohlen wurde), wird über ein artverwandtes Thema gesprochen. Von Einfühlsamen die insgeheim wünschen, dass sich andere auch mal in sie hineinversetzen. Kann man unendlich Beachtung und Wertschätzung geben, auch wenn nichts zurück kommt? Funktioniert sowas bei Bekannten, wenn es in Beziehungen nicht funktioniert? Gegenseitigkeit und Miteinander sind die Stichworte, die mir dazu einfallen.

Mit diesen Gedanken möchte ich nicht provozieren oder anklagen, sondern wünsche mir Antworten und Meinungen von DIR, damit ich dich und die Menschen um mich herum besser verstehen kann.

Wie ist denn dein Standpunkt zu dem Thema? Bist du auch jemand, der [gerne] gibt? Nimmst du wahr, wer in deinem Umfeld gerne gibt? Hast du ihm in dieser Woche schon deine Wertschätzung gezeigt?

8 thoughts on “Wie Teilen zum Ausdruck von Wertschätzung wird und was das für Folgen auf uns hat

  1. Hallo Julia,
    Wieder ein toller Artikel von dir. :) Ich mach es bei meinen Kooperationen unterschiedlich: entweder sag ich direkt, ob wir uns gegenseitig unterstützen, oder ich biete ohne Erwartung auf eine Gegenleistung meine Hilfe an für die dann oft auch sehr viel zurückkommt. Im Endeffekt geben wir Frauen doch sehr viel und dann dürfen wir auch mal aktiv danach fragen, ob uns die Gegenseite auch unterstützt. Das ist nur fair. :)
    LG,
    Susi

  2. Pingback: Facebook nervt und raubt Energie. Tu etwas dagegen!

  3. Hallo liebe Lina, ein Freund, den ich sehr schätze, hat deinen Artikel geteilt und so bin ich überhaupt erst auf ihn aufmerksam geworden. Ich finde auch, dass ein guter Artikel, an dem man so lange gesessen hat und in dem man oft sein Innerstes mit seinen Freunden teilt auch Wertschätzung verdient. Dabei vertraue ich immer mehr darauf, dass die karmischen Gesetze greifen, ob und in welchem Zeitrahmen, bleibt ungewiss. Natürlich teile und wertschätze ich selbst auch gern Artikel meiner Fb Freunde, wenn sie mich ansprechen und ich ihnen etwas entnehmen kann, wofür ich auch selbst stehe. Das Dilemma mit der Erwartungshaltung für Dankbarkeit beginnt wohl schon etwas eher: nämlich mit der Frage: wer ist denn tatsächlich so in meinem Fb Freundeskreis unterwegs? Habe ich zu diesen Menschen wirklich irgendeine Art von Beziehung? Habe ich schon einmal ein persönliches Wort mit ihnen gewechselt? Wonach gehe ich, wenn ich Anfragen akzeptiere? Menschen, die etwas mit mir gemeinsam haben, lesen auch eher einmal etwas von dem, was ich schreibe oder teile und teilen es auch eher einmal. Ich nehme mir die Zeit, bevor ich auf Anfragen zustimmend antworte, in den jeweiligen Profilen zu schauen, ob denn die Person in meinen Fb Freundeskreis passen könnte ( gleiche Interessen, Beschäftigungen, Geisteshaltungen usw.). Dann schreibe ich sie persönlich an und erst dann bestätige ich. Alles andere macht für mich wenig Sinn. Und dann noch ein wichtiger Tipp: Geduld :). Es braucht einfach auch Geduld, bis Menschen aus sich heraus treyen, etwas kommentieren oder teilen. Sie wollen dich besser kennenlernen. Bei solchen, die nie interagieren und nur immer sich selbst sehen, darf man sich dann auch gern wieder entfreunden, meinst du nicht? ;) Ganz liebe Grüsse, Sylvia 🌸

    • Hey Sylvia,
      da gebe ich dir natürlich vollkommen Recht. Es kommt ja auch nicht jeder Hans und Kunz in meine Kontakte. Worum es mir aber eigentlich ging ist nicht die Aufmerksamkeit sondern die Gegenseitigkeit. Da geht es auch nicht nur ums Teilen von Inhalten sondern um Hilfe generell. Es gibt so manche Zeitgenossen, die möchten, dass man ihnen alles aus den Händen nimmt, denen man immer unter die Arme greift und die sich immer darauf ausruhen, dass ihnen schon jemand helfen wird. Braucht der Gegenüber dann mal Unterstützung, verschließen sie die Ohren, haben fürchterlich viel zu tun oder finden andere Gründe…

      Natürlich kann man dann sagen, dass die anderen, die von Herzen gerne helfen, besser aussortieren sollten, wem sie helfen, aber das fällt Helfern oft sehr schwer. Im Buch Bunte Vögel* wird unter anderem auch über diese ständig helfenden Menschen gesprochen. – Es ist kein Makel, gern zu helfen, aber sie tun sich damit nicht gut, weil sie es einfach übertreiben und mit ihrem meist sehr ausgeprägtem Einfühlungsvermögen vergessen, dass andere nicht unentwegt in die Gedanken anderer schauen.

      Worauf ich hinaus wollte, was vielleicht nicht so klar geworden ist: Man sollte in der Gesellschaft solcher sehr sensiblen Helfer darauf achten, sie nicht zu verprellen, denn genauso wie sie sehr sensibel auf die Wünsche anderer reagieren und eingehen, genauso sensibel sind sie, wenn ihre geheimen Wünsche nie erfüllt werden. Da sie durch ihre emphatische Gabe die Wünsche anderer immer sehr schnell erfassen, gehen sie im Umkehrschluss davon aus, dass auch jeder andere diese Gabe hat und fühlen sich daher vor den Kopf gestoßen, wenn sie selbst immer nur geben.

      … Ich glaube, das ganze Thema ist selbst noch einen oder zwei oder drei Artikel wert …
      Alles Liebe,
      Julia

  4. Ich kann dir nur zustimmen.
    Allerdings werde ich höchst selten darum gebeten, etwas zu teilen – wenn, dann mache ich das aus eigener Motivation heraus. Dafür habe ich z.B. eine eigene Kategorie auf meinem Blog eingerichtet: Ich stelle Artikel vor, die mir in der Woche besonders gut gefallen haben. Eine Gegenleistung erwarte ich nicht. Manchmal werden meine Artikel dann auch geteilt – darüber freue ich mich natürlich, genauso wie über jeden einzelnen Like :)

    • Hey Lina,
      danke für deinen lieben Kommentar!
      Werden hauptsächlich die Artikel geteilt, in denen du andere Artikel vorstellst, oder auch deine eigenen Gedankenstücke? Kannst du so ungefähr beziffern, wie oft bei dir ein Artikel geteilt wird und wie oft du im Gegenzug schon im Vorhinein geteilt hast?

      Ich freue mich auch immer sehr über alle Likes und vor allem Kommentare. Das bedeutet, dass der Leser den Artikel ja auch gelesen hat UND eine Meinung hat. Das ist schon irgendwie selten, finde ich. Dafür immer umso schöner :)

      Alles Liebe und eine schöne Woche!
      Julia

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